| Alt-Moabit 72 | Mo-Fr | 10 - 19 Uhr |
| 10555 Berlin | Do | 10 - 20 Uhr |
| 030 - 399 02 116 | Sa | 10 - 16 Uhr |

28. Februar 06:10: Unsere Air-Berlin Maschine startet pünktlich nach Mallorca, wo wir zum Weiterflug nach Valencia umsteigen. In Berlin sind es nach einem langen Winter immerhin schon 10°, in Palma de Mallorca ist es bitter kalt. Aus dem Transitraum beobachten wir das Umladen unserer Fahrradkartons. Das beruhigt! Mittags in Valencia ist die Luft zwar milder, aber es regnet in feinen, dichten Tropfen und ich merke schon nach einer kleinen Runde auf dem Flughafenzubringer, daß meine Regenjacke undicht ist.
Ein typisches Problem an fast allen Flughäfen (und in der Peripherie von Großstädten) ist, daß es nur autobahnartige Verbindungsstraßen in die Städte gibt, die man als Radfahrer instinktiv meidet. In Spanien kann man sich zuverlässig an die Beschilderung halten: Nur wenn die vier Verkehrsschilder – und es sind immer diese vier! – Verbot für Fußgänger, Radfahrer, Mopeds und Pferdekarren an der Auffahrt stehen, darf man diese Straße nicht benutzen. In jedem Fall gibt es dann aber einen sogenannten „camino servicio“ noch neben dem Standstreifen, oder separat, auf dem es weiter geht.
Im Übrigen zeigt auch mein GPS-Gerät zuverlässig diese Möglichkeit an und weist uns eindeutig den kürzesten Weg zu unserem Hotel „add hoc“ am Rande der Innenstadt. Am Abend hört es auf zu regnen und wir akklimatisieren uns bei einem ausgiebigen Spaziergang durch die vor Menschen brodelnde Altstadt: Es ist Samstag! Wir werden in der überbelegten Chocolateria platziert und lassen den Abend mit in zähen Kakao getunkten Churros ausklingen.
Nach einem ausgiebigen Frühstück geht es am Sonntag früh los: Es sind milde 14° bei bedecktem Himmel. Die meisten Valencianer liegen offenbar noch in den Federn, während wir auf einer der großen Ausfallstraßen die Stadt nach Westen verlassen. In Torrent wollen wir an einer Tankstelle die Reifen auf den optimalen Druck für die Asphaltstraßen bringen. Während ich mich des Kompressors bediene, ackert Manfred mit seiner Miniluftpumpe was mit einem abgebrochenen Ventil endete.
Nun tat es auch nicht der erste Ersatzschlauch, weil sich der Drahtreifen dermaßen schwer aufzuziehen läßt, daß wir den Schlauch eingeklemmt haben und ... rummmms! Also das Ganze nochmals von vorn: Diesmal sind wir mit größerer Vorsicht und ohne Montierhilfen erfolgreich. Dabei haben wir uns fast die Haut vom Daumen gewalkt.
Bis Montroy auf der CV 405 nervt der Verkehr. Dann tritt plötzlich absolute Ruhe ein: Auf der CV 435 geht es nun in die Berge. Die Sonne kommt raus undbei uns stellt sich endlich das richtige Reisefeeling ein. Über zwei namenlose Pässe gelangen wir nach 54 km an unser Tagesziel Dos Aguas. Es gibt keine Alternative weit und breit. Im Hostal Lepanto an der Kreuzung CV 435 / CV 580 finden wir ein einfaches Quartier, wo wir mit einem deftigen Abendessen belohnt werden.
Am nächsten Morgen geht es erst einmal hinauf zu einem Paß. Vor dem Abzweig zur CV 425 zeigt mein GPS eine Abkürzung über eine „unbefestigte Straße“ an. Was für eine Gelegenheit! Mit meinem voll gefederten Reise und Müller Delite geht es 1,4 km über Fels und Lehm hinab auf eine Traumstraße ohne Verkehr in einer phantastischen Landschaft bis zur N 330. Es geht von 725 m hinab auf 335 m in den bizzaren Ort Cofrentes am Fluß Jucar, der sich tief in die Landschaft eingefräst hat. Die malerische Burg konkurriert mit dem Atomkraftwerk. Was für eine negative Faszination!
Die Schlucht des Jucar, eine der kaum bekannten Attraktionen Spaniens
Wir müssen wieder hinauf auf die Ebene, auf 800 m, La Mancha! Auf schnurgeraden Straßen geht es nun flott voran. Das GPS zeigt unser Ziel Alcala de Jucar 2 km voraus, aber es gibt kein Anzeichen für einen Ort, keinen Kirchturm, keine Häuser, nichts. Dann stehen wir vor der Schlucht: Unter uns Alcala! Wir haben die Auswahl zwischen vier Hostales und Hotels der verschiedenen Kategorien, entscheiden uns aber kurzfristig für das Hotel Jucar weil es zu regnen beginnt ... Es regnet den ganzen nächsten Tag und wir bleiben in Alcala de Jucar, lesen, trinken in der Bar einen Kaffee, lesen weiter ... und wagen uns nur einmal kurz hinaus, um den kleinen, netten Ort zu besichtigen.
Am nächsten Morgen hat der Wind die Regenwolken vertrieben und wir machen uns auf den Weg durch den Jucar Canyon hinauf nach Jorquera. Gut gelaunt genießen wir es, wieder auf dem Rad zu sitzen und diese phantastische Landschaft auf einer völlig einsamen Straße zu genießen. Wir hätten dem Flußtal noch weiter folgen können, aber beschlossen den kürzeren Weg zu nehmen, um ein wenig den verlorenen Regentag aufzuholen.
Die Elemente prüfen uns: Erst Regen, dann Sturm und schließlich Kälte
Als wir den Canyon verlassen und uns nur 100 m höher auf der Ebene der La Mancha wieder finden, bläst uns ein unglaublicher Sturm entgegen. Was hilft es? Wir schalten runter, beugen uns über den Lenker und krauchen mit einem Schnitt von 11,5 km/h auf der schnurgeraden B-6 nach Tarazona de la Mancha. Für die 55 km und 775 hm brauchen wir 4:45 Std. Direkt vor dem ersten Regenguß am Nachmittag betreten wir das nette Hostal la Mancha in der Nähe des Zentrums. www.hostallamancha.com
Am Morgen scheint die Sonne, aber es eisig kalt und der Sturm hat noch zugenommen. In der Wettervorhersage war die Rede von Windgeschwindigkeiten bis zu 37,5 m/s bzw. 135 km/h und Aussichten auf Schneeschauer. Na toll! Wir wollen auf jeden Fall versuchen, bis zum nächsten Ort, la Roda zu kommen und ziehen gegen die Unbilden des Wetters alles an, was die Packtaschen hergeben, inklusive der Regenkombi gegen den eisigen Wind.
Beim Aufsatteln stellt Manfred fest, daß die Befestigungsstrebe seines Gepäckträgers gebrochen ist. Es dauert eine Stunde, bis er mit einem brauchbaren Lochblech – einem Möbelbeschlag - von der Ferreteria zurück kommt. Leider sind die Löcher für unsere M5 und M5 Schrauben zu klein und es gibt im Hostal keinen brauchbaren Bohrer. Inzwischen ist es fast Mittag und die regenschwangeren schwarzen Wolken rauben uns jeglichen Mut. Die richtige Entscheidung ist in diesem Moment schnell gefällt: Wir checken erst mal wieder ein, ziehen uns zivile Klamotten an und machen uns auf den Weg in die Ferreteria.
Im Eisenwarenladen ist ein Kunde anwesend, der unser Problem sofort erkennt und uns einlädt, mit ihm in seine Autowerkstatt zu fahren, wo er die Bleche – gleich noch zwei in Reserve, wovon wir tatsächlich eins noch später brauchen werden – auf die erforderlichen Durchmesser aufbohrt. Das Provisorium ist bald montiert und wir können endlich den Rest unseres zweiten, unbeabsichtigten Ruhetags genießen. In den Abendnachrichten wird berichtet, daß ein LKW bei Albacete, ca. 20 km entfernt von uns, von der Straße gepustet wurde.
Freitag, 6. März, die Sonne scheint, es ist bitter kalt, aus den wenigen Wolken fallen ein paar Schneeflocken, aber der Wind hat sich etwas gelegt. Wir sind schon früh auf den Beinen, um zeitig loszukommen. Wir ziehen alles an, was die Packtaschen hergeben. Zum Glück haben wir Mützen und warme Handschuhe im Gepäck. Schweißnass kämpfen wir uns mit einem Schnitt von 12,1 km/h auf leicht welliger Straße 62 km voran nach Munera. Ein freundlicher Einwohner eskortiert uns im Auto in die edele Hospederia Bodas de Camacho, einem Casa rural, das sich etwas versteckt am Rande der Innenstadt befindet. (http://www.guiarural.com/casas_rurales/Castilla_La_Mancha/Albacete/CR3710.html)
Auf der Ruta de Don Quichote durch die Region Valdepenas
Bevor wir einchecken, müssen wir erst einmal unsere Flüssigkeitsverluste auffüllen und trinken ein Bier in der netten Bar der Hospederia. Vor dem Abendessen machen wir einen Spaziergang durch den unspektakulären Ort, wo es wirklich nichts gibt, was man unbedingt sehen müßte. Für uns ist es „nur“ ein Etappenort mit einem sehr komfortablen Hotel. Allerdings werden wir hier eindringlich auf die Ruta de Don Quichote hingewiesen, der wir an den kommenden Tagen folgen werden.
Morgens ist es noch kalt und windig, aber die Sonne lacht vom Himmel. Wir beschließen, einen Umweg über die schmale CM-3133 nach El Bonito zu machen („der Schöne“ ... Ort vielleicht – oder Ausblick?), ein Städtchen, das wir gestern schon von Weitem mit seinem hohen Kirchturm aus der Landschaft ragen sahen. Tatsächlich haben wir von dem auf über 1050 m hoch gelegen Ort einen phantastische Rundblick auf die La Mancha. Der hübsche Ort lädt uns zu einer kleinen Frühstückspause in der Sonne ein.
Die Lagunas de Ruidera – bizarr blaue Seen, eingebettet in die La Mancha
Auf der einsamen CM-3123 fahren wir über sanfte Wellen abwärts nach Ossa de Montiel von wo aus wir in die Lagunas hinabsausen. Das knallige Blau des Wassers, von Schilf umwuchert, steht in einem scharfen Kontrast zu der kargen Landschaft drumherum. Allerdings haben auch die Spanier die Schönheit der Lagunas entdeckt und an einigen Stellen am Rande des Naturschutzgebiets ihre Wochenendhäuschen erbaut.
Aus Zeitmangel verkürzen wir die Runde ein wenig. Von der C-30 biegen wir auf die Ab-350 nach Süden ab, die nach ca. 2 km für den motorisierten Verkehr gesperrt ist und als einspuriger Feldweg weiter führt. Immerhin befinden wir uns nach der Beschilderung immer noch auf der „Ruta de Don Quichote“. Durch den Regen der letzten Wochen ist die Strecke fast unpassierbar. Wir müssen einige Stellen bewältigen, wo uns das schlammige Wasser bis zur Nabe reicht.
Erst hinter der Laguna Blanca, dem ersten See, der fast auf Höhe der Ebene liegt, treffen wir wieder auf eine befestigte Straße. Auf der Ab-640 erreichen wir erneut das Niveau von 900 m. Nun bläst uns der Wind durch das hüglige Gelände nach Süden. In Villahermosa machen wir eine Pause. Hier gibt es vier Hostales. Es ist eigentlich noch zu früh um ein Quartier zu suchen und wir fahren weiter hinab nach Montiel ins Tal des Rio Jablon. Dort gibt es zwar ein Hostal, aber man hat keinen Platz oder keine Lust (wie wir vermuten), uns aufzunehmen.
Also fahren wir wieder zurück nach Villahermosa ins Hostal San Christobal an der CM-412. 95 km, 781 hm, 6:13 Sattelzeit. Wir erleben einen aufgedrehten Abend in der Bar, später im Restaurant. Wir sind gegen 20:00 gekommen und finden einen ruhigen Platz in der Nähe des Fernsehers. Etwas später ist der Raum brechend voll. Real (Madrid) spielt gegen Athletico (Madrid). Das Publikum ist halbe/halbe. Trotz heftiger Gefühlsausbrüche bleibt die Situation friedlich. In der Halbzeit ziehen wir ins Restaurant um, mit uns ein Teil der Barbesucher, Männer und Frauen. Das Spiel und die aufgepeitschten Emotionen gehen weiter. Die Stimmung steckt uns an.
Sonntag früh. Top Wetter, morgens nur 6°, aber leere Straßen. Wir brechen früh auf, um den langen Ritt über die Sierra Morena nach Andalusien in Angriff zu nehmen. Zunächst müssen wir wieder hinunter nach Montiel. Ab Almedina bemerken wir den Wechsel der Vegetation: Olivenhaine wechseln sich mit den typisch niedrigen Weinstöcken des Gebiets um Valdepenas ab. Dann steigt die Straße bis Puebla del Principe (960 m) in mehreren Wellen leicht an, wo wir die Wasserscheide der nach Norden zum Guadiana und zum Guadalquivir abfließenden Gewässer überqueren. Die Luft ist klar und wir haben vier Bergketten vor uns. Über 160 km entfernt, erkennen wir deutlich die weißen Gipfel der Sierra Nevada! Uns begegnen kaum noch Menschen bzw. Autos. Über uns kreisen Geier. Bis Ventas de los Santos, dem ersten Ort in Andalusien, fahren wir durch ein wunderschönes Niemandsland.
Raus aus den Klamotten: Andalusien, Land der Sonne und des Olivenöls
Ab Castellar fahren wir auf der gut ausgebauten, wenig frequentierten A-312 nach Westen.
Nach 140 km, 1030 hm und einem ordentlichen Schnitt von 19,8 km/h erreichen wir das Hotel Cervantes in Linares, das wir vorher bereits ins GPS eingegeben haben, um möglichst direkt und ohne Suche die Etappe zu beenden. Bei unserem Stadtrundgang am Abend genießen wir die angenehmen Temperaturen. Wir sind im Süden angekommen!
Ab Linares soll es eine „via verde“ geben, einen Radweg auf einer alten Bahntrasse. Nur ist die Karte sehr ungenau und die Topo-Karte auf meinem GPS unterscheidet nicht aktuelle Bahntrassen von nicht mehr genutzten. Wir versuchen es trotzdem und rasen erst einmal 200 hm bergab zu dem vermuteten Einstieg in den Radweg. Nach einigem Suchen finden wir den Hinweis auf einen „camino viejo“ und folgen dem Weg, der uns schließlich nicht zur via verde führt, sondern in das unzugängliche Delta – es gibt nämlich kaum Brücken - des Zusammenflusses von Rio Guadalimar und Guadalquivir.
Wir fahren einen 40 km Umweg nach Mengibar, weil es in diesem Gebiet kaum Brücken gibt. Hinter Villanueva de la Reina bietet sich nochmals die Gelegenheit, einen Feldweg zu nehmen und damit einige Kilometer abzukürzen. Ich begebe mich auf die Holperstrecke, während Manfred auf der V-2302 und A-311 nach Andujar fährt, wo wir uns an der „alten Römerbrücke“ verabreden. Das klappt dann zwar nicht auf Anhieb, aber der alles überragende Kirchturm ist auch eine gute Orientierung. Das Hotel Logasasanti am westlichen Rand der Altstadt, in dem wir vor anderthalb Jahren schon einmal logierten, finde ich auch problemlos ohne GPS. Heute waren es 81 km, 672 hm und 4:45 Sattelzeit.
Ursprünglich wollten wir vom nördlich gelegenen Puertollano durch das wunderschöne Naturschutzgebiet der Sierra de Andujar in die Stadt fahren. Allerdings haben wir weder aussagekräftige Hinweise auf Übernachtungsmöglichkeiten in der Sierra gefunden, noch lassen die zeitlichen Verzögerungen durch das schlechte Wetter in der ersten Woche ein derartiges Experiment zu, über dutzende Kilometer auf Feld- bzw. Forstwegen mit Flußfurten durch die Berge zu fahren.
Deshalb entschließen wir uns auch, anstatt der beschwerlicheren Strecke mit vielen Höhenmetern durch die Sierra del Norte, südlich des Guadalquivier zu bleiben und stattdessen einige via verdes anzutesten. So überqueren wir morgens wieder den Guadalquivir und nehmen die gut ausgebaute und leider stark frequentierte A-305 nach Arjonilla, von wo aus wir über eine namenlose Schotterstraße, die das GPS als kürzesten Weg empfiehlt, nach Lopera weiter fahren. Nun herrscht Ruhe! Weniger als drei Autos pro Stunde begegnen uns. Wir sind mal wieder auf einer Fahrrad-Traumstraße! Während der nächsten 40 km kommen wir nur noch durch einen Ort: Bujalance, eine hübsche kleine Stadt im Nirgendwo, wo wir eine Pause einlegen.
Interessant ist, daß sich hier, an der Grenze zwischen den Provinzen Jaen und Cordoba schlagartig die Landschaft und die Vegetation ändert: Erst kurze, steile Hügel mit heftigen Anstiegen und Ölbäume soweit das Auge reicht, dann sanfte Wellen und endlose Felder. Auf jeden Fall belohnen uns die Mühen des ständigen Auf und Ab mit herrlichen Ausblicken. Nach 86 km, 975 hm, Sattelzeit 5:23 gelangen wir über die CV-146 – CV-158, praktisch ohne jeglichen Verkehr bis an die Stadtgrenze Cordobas, bis 1,5 km vor die mächtige Römerbrücke, die vor einigen Jahren leider im Disney-Stil restauriert wurde.
Cordoba! – nirgends in Andalusiens sind die Spuren alter Kulturen lebendiger
Wir finden auf der Suche nach dem Oficina de Turismo zufällig eine genial gelegene, sehr schöne und preiswerte Unterkunft mit einem 2-Bett-Zimmer: Die Jugendherberge in der Juderia, dem jüdischen Viertel nahe der Mezquita. In diese riesige Moschee, heute noch die drittgrößte der Welt, wurde nach der christlichen Rückeroberung eine verloren wirkende Kathedrale eingebaut. Die schiere Größe des Bauwerks und die schlichte Schönheit der rot- ockerfarbenden Gewölbebögen sind überwältigend.
Da ich mir durch ein scheuerndes Sitzpolster einen Wolf gefahren habe, bietet sich ein Ruhetag mit einer ausgiebigen Besichtigung der Stadt an. Wir genießen die Wärme – nachmittags 24° - bei unserer ausgiebigen Stadterkundung. Die Mezquita Catedrál, so der offizielle Name, was übrigens nichts anderes als „Moschee Kathedrale“ heißt (interessant, oder?), steht natürlich an erster Stelle. Dann die 247 m lange Puente Romano aus dem 1. Jh. V. Chr.: en passant betrachten wir die zahlreichen berühmten Patios, Innenhöfe mit Brunnen, im typischen Stil gefliest und die gewaltige Stadtmauer, bis uns schließlich der belebte Plaza de las Tendillas in die heutige Welt zurück bringt.
Donnerstag, unsere drittletzte Etappe steht an. Wir entscheiden uns für die südliche Variante über die Via Verde nach Ecija, die sich vielleicht bis Marchena fortsetzt, so wie es im Übersichtsplan eingezeichnet ist. Hinter der Römerbrücke fahren wir nach rechts auf der Avenida Cadiz zur A-3051. Hinter dem Industriegebiet, nach ca. 3 km, sind wir schlagartig allein auf weiter Flur. Nach weiteren 3 km finden wir problemlos den Beginn der beschilderten und gut befestigten Via Verde. Mit gemächlicher Steigung winden wir uns auf der alten Bahntrasse durch die wunderschöne Landschaft der Provinz Cordoba.
Außer ein paar Läufern, die uns ausgerechnet in dem einzigen kurzen Tunnelstück entgegenkommen, treffen wir auf den nächsten 30 km nur zwei Radler und einen Bautrupp. Hinter La Carlota endet die Ausbaustrecke. Wir suchen ein wenig, um die Fortsetzung der V.V. zu finden, der wir dank der GPS Topo Karte weiter folgen, die sich bis Ecija immerhin noch in einem passablem Zustand befindet. Nach einer Pause finden wir westlich auch den als Camino de Los Romeros bezeichneten Weg, parallel zur Straße, der dann allerdings als Feldweg bis Villanueva del Rey weitergeführt wird. Von dort ab müssen wir den Service Weg entlang der Autovia del Sur nehmen.
Südlich von La Lusiana zeigt das GPS dann wieder eine alte Bahntrasse an, die kaum auszumachend nach Südwesten verläuft. Nach 2 km verlieren wir die Spur, die Reste der Trasse verschwinden irgendwo zwischen Weinstöcken. Wir nehmen den nächstgelegenen Feldweg, der in etwa der vermuteten Richtung entspricht, über die Hügel. Wir gelangen auf einen der uralten Verbindungswege, den Carril de la Compania, der die zerfallenen, teils als Ruinen noch erkennbaren Windmühlen verbindet. Noch einmal treffen wir auf die Bahntrasse, um auf einer ehemaligen Bahnbrücke ein Flüßchen zu überqueren. Dann sind wir in Fuentes, unserem Tagesziel. Das Hostal / Restaurant Manolo bietet uns das, was wir brauchen: Eine einfache Unterkunft und ein solides Essen am Abend.
Da es nach dem Übersichtsplan eine theoretische Chance gibt, der alten Bahntrasse bis Marchena zu folgen, begeben wir uns am Morgen aufs Neue ins Abenteuer und nehmen am Ortsende von Fuentes die alte Fährte auf, die zunächst vielversprechend als Allee aus dem Ort hinausführt, dann in eine Feldweg übergeht und sich im Nu in einen Singletrail verwandelt. Wir folgen dem ausgefahrenen Feldweg einen Hügel hinauf. Ein phantastischer Blick auf die weite Landschaft bis hin zu der 70 km südlich gelegenen Sierra de Grazalema tut sich auf.
Wir verfransen uns im Gelände zwischen den Oliven und versuchen schließlich auf gerader Linie die Bahntrasse wiederzufinden. Das Fernglas bietet auf der Kuppe des Hügels die entscheidende Hilfe. Ich entdecke den Übergang über den Arroyo Salado und kann den Verlauf der Trasse in unsere Nähe zurückverfolgen. Zunächst verbaut uns eine lange Hecke aus Kakteen und Dornenbüschen den Weg. Wir versuchen die Abfahrt durch eine Erosionsrinne. Es ist steil und ich lerne die Grenzen meines voll gefederten Riese und Müller Delite kennen: Ich fliege über den Lenker auf den trockenen Lehmboden. Zum Glück geht der Sturz mit ein paar blutigen Schrammen ab. An einem Feldrain entlang erreichen wir schließlich wieder einen fahrbaren Weg, der uns nach Marchena bringt.
Unser Abenteuer hat uns den ganzen Vormittag gekostet. Nach der Pause nehmen wir Kurs auf die A-380, eine glatte, asphaltierte Straße. Nun rollen wir mit Rückenwind zwar flott voran, aber der Autoverkehr nervt! Egal, wir wollen voran kommen und beißen uns nach Moron de la Fronteira durch. Am Abend besteigen wir noch die alte Maurenfestung (295 m), erleben einen furiosen Sonnenuntergang und stellen fest:
Unser Ziel: Sevilla ist in Sichtweite, der Blick schweift bis zum Atlantik
Wir essen ausgezeichneten Arroz Marinero, einer Spezialität aus Cadiz, im Casa Castilla, Pozo Nuevo 21, einem gediegenen Restaurant in der Fußgängerzone und genießen den lauen Freitagabend. Später übt eine Gruppe männlicher Einwohner an einem mit Marmor und Sandsäcken beschwerten Gestell für die Prozession für die bevorstehende Semana Santa.
Auf unserer letzten Etappe versuchen wir nochmals, eine in der Übersicht verzeichnete Via Verde zu fahren. Wir geben aber nach einem Kilometer lockerem Gleisschotter auf. Die A-360 nach Sevilla ist leider stark befahren, aber was soll´s, es gibt hier keine Alternative. Wind und Topographie sind günstig. Während der monotonen Fahrt auf der schnurgeraden Straße fällt mir die Lösung für ein kleines Problem ein, das mich seit Tagen beschäftigt: Das ständige Knatschen meines Rades kommt von einer losen Speiche im Hinterrad! Die super steife X-Plorer Felge war tatsächlich kein bißchen verzogen, obwohl sich eine Speiche links vollkommen gelöst hatte. Die Sache ist schnell behoben.
Hinter Alcala de Guadaira stoßen wir auf die Autobahn A-92. Manfred hat es schon schlaflose Nächte bereitet, während ich ganz locker befand: Zur Not müssen wir auf dem Standstreifen fahren oder es findet sich was. Auch hier haben die Spanier mitgedacht und neben der Autobahn eine Straße für minderbemittelte Verkehrsteilnehmer – Reiter, Gespanne, Nuckelpinnen und Radfahrer - angelegt.
So brausen wir nach Sevilla hinein. Bei 27° bringt uns das Tempo eine angenehme Kühlung. Das GPS ist bereits auf ein Hotel in der Nähe des Flughafens programmiert, von wo aus wir morgen den Rückflug antreten werden. Allerdings finden wir „um die Ecke“ eine nettere Alternative: Das Hotel San Pablo (DZ 50,- €) in einer ruhigen Seitenstraße nahe des Kongresszentrums.
Da der Abflug erst mittags stattfindet, können wir entspannt frühstücken. Die 3 km zum Flughafen haben wir schnell hinter uns gebracht. Wir verpacken die Räder mit einigen Pappkartons in festen Plastikhüllen und checken ein.
Es war wieder einmal eine tolle Abenteuertour in „Good Old Europe“. Auf neu entdeckten alten Wegen und den den via verdes fuhren wir durch phantastische, einsame Landschaften. Cordoba war mein persönliches highlight: Die Mezquita und die riesige Römerbrücke waren den Abstecher in die Großstadt wert.